Institut für Bildungsökonomie

1. Sprecher

Prof. Dr. Steffen Koolmann

2. Kurzbeschreibung

Bereits seit 1978 besteht an der Freien Hochschule das Institut für Bildungsökonomie (bis 2007 „Arbeitsbereich Bildungsökonomie“) –gewissermaßen als „ökonomisches“Pendant zu den anderen pädagogisch ausgerichteten Instituten der Hochschule.  Die Kern-Aus­gangsfragestellung für die Arbeiten des Institutes lautet: Was ist unserer Gesellschaft –ökonomisch gesehen –Bildung wert? Über die Betrachtung und Analyse wirtschaftlicher Daten und Sachverhalte wird dieser Frage nachgegangen. Durch drei Konkretisierungsstufen hindurch wird auf drei Betrachtungsebenen (Makro-, Meso- und Mikroebene) zu zeigen versucht, welche unmittelbaren Auswirkungen nationale Bildungspolitik für die einzelne Schul- bzw. Schülersituation haben und wie aussagekräftig internationale Vergleiche (bspw. OECD-Studien) dem gegenüber sind. Im Sinne eines Zwischenfazits kann konstatiert werden: Die Frage nach der Wertschätzung für Bildung wird offensichtlich –auf allen drei Ebenen (international, national, lokal). Mit „abnehmender Ebene“wird sie allerdings  erst greifbar und unmittelbar spürbar auf der kleinsten Ebene, der Ebene des einzelnen Schülers; auf der Ebene der einzelnen Familie werden die ökonomischen und bildungsmäßigen Folgen sichtbar.

In der Grundausrichtung versteht sich das Institut nicht nur als „Think Tank“,  sondern auch als praktischer Umsetzer –je nach Anforderung. Im Sinne des unmittelbaren „Anschaulichmachen der kleinsten Ebene“werden vom Institut für Bildungsökonomie seit mehr als drei Jahrzehnten im Sinne einer Auftragsforschung die bildungsökonomischen Sachverhalte der deutschen Waldorfschulen erforscht, dokumentiert und in der Öffentlichkeit darstellt (siehe dazu auch die Literaturliste). Damit unterstützt das Institut die sachgemäße Beurteilung der Existenzbedingungen dieser Schulen und fördert ein ökonomisches Selbstverständnis der Waldorfschulbewegung in Deutschland. Dies ist nicht zuletzt im Hinblick auf die verfassungsrechtliche Schutz- und Förderpflicht der Länder für Schulen in freier Trägerschaft, die aus Art. 7, Abs. 4 GG nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts folgt (vgl. Urteil vom 8.4.1987, BverfGE 75, 44ff.), von Bedeutung. Zu den Forschungs- und Dokumentationsaufgaben gehören

Mit der öffentlichen Dokumentation dieser Forschungsergebnisse aus den wirtschaftlichen Sachverhalten der deutschen Waldorfschulen durch das Institut für Bildungsökonomie übernimmt das Institut bereits seit Jahrzehnten eine besondere und bislang einzigartige Vorbildfunktion hinsichtlich Transparenz und Kommunikation in der Bildungslandschaft. Dies entspringt einer Grundhaltung des Instituts, nach dem der Öffentlichkeit ein (moralisches) Recht auf Dokumentation und Transparenz öffentlicher Mittelempfänger zusteht. Zwar wird jede einzelne Schule bereits von der für sie zuständigen öffentlichen Stelle im Sinne eines Verwendungsnachweises auf Herz und Nieren geprüft, aber ein konsolidierter Jahresabschluss aller Mitgliedschulen kommt dieser gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung nach Transparenz weitergehend nach.

Das Institut befördert darüber hinaus auch die kritische Bewusstseinsbildung hinsichtlich der genannten Sachverhalte in der und für die deutsche Waldorfschulbewegung und trägt durch Stellungnahmen für Behörden und Gerichte zur bildungsökonomischen Entwicklung bei [2].

Ausblick

Mit Übernahme der Leitung des Instituts durch Prof. Dr. Steffen Koolmann zu Beginn des Jahres 2008 hat das Institut einen neuen Entwicklungsimpuls erhalten –dieser befindet sich aktuell noch in der Phase der weiteren und näheren Ausgestaltung.

Die grundlegend handlungsleitende Perspektive des Instituts für Bildungsökonomie besteht in einer Sichtweise einer inhaltlich engen Verzahnung zwischen den (sich wechselseitig bedingenden) Themenbereichen Schulökonomie, -organisation, und -kultur; daher wird es zunehmend seine Aktivitäten und Forschungsfragen in diesem Gesamtbereich entwickeln. Zukünftig soll die inhaltliche Arbeit des Instituts durch ein Kuratorium beratend begleitet werden.

Das Institut strebt an, auch eine Plattform für Menschen und Institutionen zu bilden, die Aktivitäten im Sinne des Instituts entfalten. Neben eigenen Arbeiten durch institutseigene Mitarbeiter sollen ergänzend für die Bearbeitung von Spezialfragen Fremdaufträge vergeben werden.

3. Institutionelle Kooperationen

4. Arbeits- und Themenplan

4.1 Themenbereich Auftragsforschung

  1. Regelmäßige Datenerhebung, -auswertung und -analyse für den Dachverband der Freien Waldorfschulen in Deutschland
  2. „Freier“Dienstleister für die Mitgliedseinrichtungen des Bundes der Freien Waldorfschulen (schulspezifische Einzelauswertungen)
  3. Mitwirkung bei der allgemeinen bildungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit des Bundes der Freien Waldorfschulen

4.2 Themenbereich Bildungspolitik

  1. Was bewegt die Gesellschaft beim Thema Bildung –und was können Freie Schulen dazu beitragen?
  2. Hierbei geht es darum, die Qualitäten von Freien Schulen herauszustellen und diesen denjenigen der öffentlichen Schulen gegenüberzustellen sowie die Idee des Bildungsgutscheins weiter zu vertiefen.
  3. Was bewegt die Gesellschaft beim Thema Bildung –und worauf müssen sich Freie Schulen einstellen?
  4. Die zunehmende „Verarmung“der bürgerlichen Mittelschicht (und auch von Kindern), der wachsende Anteil von schulpflichtigen Kindern mit Migrationshintergrund,  ein fortschreitender Wettbewerb zwischen den Schulen (öffentlichen wie privaten), stetige steigende Finanzknappheit in den Haushalten der Gebietskörperschaften stellen nicht nur das öffentliche Schulwesen vor große Herausforderungen sondern auch die Freien Schulen –allenthalben zeigt sich damit  ein deutlicher Veränderungsbedarf an.
  5. Schnittstellenanalyse: Bildung –Wirtschaft und Schule –Arbeitswelt
  6. Es wird immer deutlicher, dass die heutige Ausbildung von Jugendlichen nicht mehr auf eine spätere Tätigkeit in einem spezifischen Berufsfeld fokussiert sein kann, sondern es mehr um die Herausbildung grundlegender Fähigkeiten geht –vor diesem Hintergrund sind vielfältige Beziehungsgeflechte zwischen den Beteiligten Akteuren (Schule –Wirtschaft) erforderlich.

4.3 Themenbereich Übergreifende Forschung (Arbeitstitel):

  1. Die Freie Waldorfschule als spezifische Unternehmensform
  2. Waldorfschulen sind als selbstverwaltete Einrichtungen grundsätzlich anders organisiert als öffentliche Schulen auf der einen Seite und „normale“Unternehmen auf der anderen Seite –diese Andersartigkeit soll näher auf ihre Vor- und Nach­teile spezifiziert werden.
  3. Was heißt Chancengerechtigkeit im Bildungswesen?
  4. Die drei „B“s in der Bildung: Bildungsfinanzierung, Bildungskosten, Bildungsrenditen (geistig, sozial, ökonomisch) –Zusammenhang und Konsequenzen

4.4 Themenbereich –Weiterbildung:

  1. Fort- und Weiterbildung für hauptberuflich –und ehrenamtlich Tätige in NPO
  2. Insbesondere ehrenamtlich Tätige in gemeinnützigen Einrichtungen verfügen oftmals nicht über eine ausreichende sachliche Befähigung zur Ausübung der mit dieser Tätigkeit verbundenen Aufgaben –speziell darauf abgestimmte Qualifizierungsseminare sollen dem entgegenwirken können.

5. Veröffentlichungen zu Arbeitsbereichen des Instituts (Auswahl)

Haug, Rüdiger: Schulausgaben im Vergleich IX, Forschungsbericht, Mannheim 2006.

Koolmann, Steffen: Organisation, Führung und Verantwortung in NPO-Unternehmen (am Beispiel der Waldorfschulen), Unveröffentlichte Auftragsstudie.

Koolmann, Steffen: Von der Ich-AG zur Hochschul-AG: Plädoyer für die Universität als Unternehmen, in: Die Drei, 3/2004, S. 8-12.

Koolmann, Steffen: Alterungsprozesse in sozialen Institutionen, in: Infobrief der Hannoverschen Kassen, 12/2004.

Koolmann, Steffen: Entlohnung oder Investition? Zur Gestaltung der Elternbeiträge an Waldorfschulen, in: Erziehungskunst 4/07, S. 390-394.

Koolmann, Steffen: Zur wirtschaftlichen Lage der Freien Waldorfschulen in Deutschland, Mannheim 2008.

Koolmann, Steffen: Zur Schüler-, Lehrer- und Studierendenbewegung der Freien Waldorf­schulen in Deutschland und ihrer Lehrerbildungseinrichtungen –Statistische Auswertungen (graue Literatur), Mannheim 2008.

6. Anlagen

Die genannten Berichte liegen nicht in elektronischer Form vor und sind entsprechend nur der Papierfassung der Institutsbeschreibung in einfacher Ausfertigung beigelegt.


Kontakte

Prof. Dr. Steffen Koolmann
Mail: koolmann@bildungsoekonomie-waldorf.de

Joachim Ramin
Mail: ramin@bildungsoekonomie-waldorf.de

Dr. Benediktus Hardorp
Mail: dr.b.hardorp@hmp-wpg.de


[1] Der Gesamtjahresabschluss ist eine Grundlage der jährlichen Pressekonferenzen des Bundes der Freien Waldorfschulen. Durch seine Erarbeitung trägt das Institut auch dazu bei, das Autonomiebeispiel der Waldorfschulen für einen sachgerechten und sparsamen Umgang mit den wirtschaftlichen Ressourcen des Bildungswesens exemplarisch für das Schulwesen insgesamt zu erschließen.

[2] Beispiele sind die vom Bundesverfassungsgericht erbetene Stellungnahme für Grundsatzprozesse und die daraus folgende höchstrichterliche Feststellung z.B. der finanzhilferechtlichen Hilfsbedürftigkeit freier Schulen als „empirisch gesicherte Befunde“(BverfGE 75 vom 8.4.1987, 40ff.), die Bedeutung der Wartefrist als Errichtungssperre für die Gründung neuer Schulen („Wartefristurteil“vom 9.3.1994, BverfGE 90, 107) und die Herausarbeitung der Kriteriensachverhalte für die Feststellung der Schulbauförderpflicht des Staates („Baukostenurteil“, BverfGE vom 9.3.1994, BverfGE 90, 128).