Was heißt anthroposophische Pädagogik?

Anthroposophische Pädagogik strebt eine ganzheitliche Entfaltung der Kräfte des Heranwachsenden an, sie möchte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Kopf, Herz und Hand erziehen.


Die handwerklich-künstlerischen Fächer

Im Zusammenhang der Gefühls- und Willensbildung spielen die künstlerischen und handwerklich-praktischen Fächer eine bedeutende Rolle. Von der ersten Klasse an werden Waldorfschüler übend mit den Grundelementen der Musik, des Malens und des Formenzeichnens sowie der neuen, von Rudolf Steiner entwickelten Bewegungskunst, der Eurythmie vertraut gemacht; ebenso selbstverständlich erlernen Jungen und Mädchen das Stricken als erste Stufe der Handarbeit. In der weiteren Schullaufbahn weiten sich die Ansätze der Unterstufe zu einem vielfältigen Spektrum künstlerischer und praktischer Betätigungen aus: Plastizieren, Töpfern, Steinmetzen, Kupfertreiben, Schmieden, Spinnen, Weben, Schneidern und Buchbinden sind hier ebenso zu nennen wie das Einüben von Klassenspielen. Mehrwöchige Praktika in der Forst und Landwirtschaft sowie in sozialen Einrichtungen ermöglichen dem Heranwachsenden zudem eine lebendige Begegnung mit der ihn umgebenden Lebenswirklichkeit.


Die Methodik des Unterrichtes

Ebenso wichtig wie die einzelnen Inhalte erscheint die Methodik des Unterrichts. Anthroposophische Pädagogik schreibt keine standardisierten Lehrverfahren mit genormter Stundenaufteilung vor; sie ermutigt vielmehr den Lehrer, aus der unmittelbaren Wahrnehmung der Schüler heraus zu unterrichten. Im lebendigen Unterrichtsprozeß gilt es abzuspüren, wie konzentrierend-gedankliche und rhythmisch-belebende Tätigkeiten miteinander so abwechseln können, daß die Lebenskräfte der Schüler gefördert und ihre Seelenkräfte harmonisiert werden.


Erziehung heißt Selbsterziehung

Eine solche pädagogische Sensibilität ist nicht bloß theoretisch erlernbar, sondern setzt beim Lehrer den Willen zur Selbsterziehung voraus. «Wir müssen uns vor allen Dingen der ersten pädagogischen Aufgabe bewußt werden, daß wir erst selbst aus uns etwas machen müssen», sagte Rudolf Steiner 1919 den ersten Waldorflehrern. Ein erstes Fundament für ein solches das Berufsleben begleitende Üben sucht die Lehrerbildung zu legen.