Wie frei sind die Waldorfschulen?

Die Waldorfschule ist eine freie Schule; als genehmigte Ersatzschule verfügt sie in Deutschland über wichtige Freiräume, vor allem über das Recht auf einen eigenen Lehrplan und mit gewissen Einschränkungen auf freie Lehrerwahl. Diese Freiräume gilt es initiativ zu gestalten, eine Anforderung an Schüler, Eltern und Lehrer. Der einzelne Lehrer ist für seinen Unterricht verantwortlich. Zwar hat sich aus der Zusammenarbeit Rudolf Steiners mit dem ersten Waldorfkollegium und einer inzwischen 80jährigen Praxis ein Lehrplan herausgebildet, doch enthält er eher Hinweise auf Möglichkeiten als verbindliche Vorgaben. Bei einem lebendigen Unterrichten wird es immer darauf ankommen, die Inhalte jeweils neu auf die konkrete Altersstufe und Lebenssituation der Schüler zu beziehen. Hier liegt ein offenes Feld für die Gestaltungskraft des einzelnen Lehrers.


Das Kollegium

Darüber hinaus hat das Kollegium als Ganzes die Aufgabe, die Schule in enger Kooperation mit den Eltern zu verwalten. Eine Waldorfschule hat keinen Direktor, sie wird kollegial geführt. Das geschieht vor allem in den wöchentlichen Lehrerkonferenzen, in denen nicht nur eine regelmäßige pädagogische Fortbildung stattfindet, sondern auch Ereignisse des Schullebens und Personalfragen behandelt werden.


Eltern- und Schülermitgestaltung

Außerdem bilden sich an einer Waldorfschule in der Regel vielfältige Kreise, in denen auch Eltern an der Schulgestaltung und -verwaltung teilnehmen bis hin zu Finanzfragen oder der Ausarbeitung langfristiger schulischer Konzepte. Gerade in den letzten Jahren ist das Bewußtsein für die Notwendigkeit gewachsen, Eltern als wirkliche Mitträger eines freien Schulwesens zu begreifen. Auch die Schüler sind entsprechend ihrer Altersstufe, zur Mitgestaltung aufgerufen, von der Einrichtung freiwilliger Arbeitsgemeinschaften bis hin zur Mitwirkung beim Entwurf einer Schulordnung. Insofern an der Waldorfschule Freiheit mit Verantwortung verbunden ist, versteht sie sich als Übungsfeld einer demokratischen Gesellschaftsordnung. Denn wie kann eine Gesellschaft frei sein, wenn nicht ihre Schulen frei sind. Dazu gehört auch ein Bewußtsein davon, worüber nicht abgestimmt werden kann, wo Verantwortungen zu delegieren sind und welche Freiräume geschützt werden müssen.