Institut für Interkulturelle Pädagogik

Offizielle Institutseröffnung am 23.09.2009 mit Rita Süssmuth

Vertretung in den Medien:

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Das Institut

1. Sprecher

Dr. Albert Schmelzer

2. Kurzbeschreibung

Durch die obligatorische Sozialarbeit der Studierenden, die oft einen interkulturellen Bezug aufweist, durch die von der Freien Hochschule ausgehende Gründung der Freien Interkulturellen Waldorfschule (2003) sowie durch den internationalen Charakter der Waldorfschulbewegung spielen Fragestellungen interkultureller Pädagogik und globalen Lernens in das Studium hinein. Die Forschung zu diesen Themen wird seit 2008 im Institut für Interkulturelle Pädagogik konzentriert.

Die Arbeit gliedert sich in folgende Schwerpunkte:

3. Institutionelle Kooperationen

3.1 Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung

Seit 2004 besteht eine Kooperation mit der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung (GAB) in München, vertreten durch Prof. Michael Brater und Dipl. Soziologin Christiane Hemmer-Schanze. Gegenstand und Ziel dieser Kooperation ist die Evaluation und wissenschaftliche Begleitung der Interkulturellen Waldorfschule. Die bisherigen Ergebnisse liegen in zwei Büchern vor:

Michael Brater, Christiane Hemmer-Schanze, Albert Schmelzer: Schule ist bunt. Eine Interkulturelle Waldorfschule im sozialen Brennpunkt, Stuttgart 2007;

Michael Brater, Christiane Hemmer-Schanze, Albert Schmelzer: Interkulturelle Waldorfschule. Evaluation zur schulischen Integration von Migrantenkindern, Wiesbaden 2009.

Es ist geplant, die Evaluation fortzusetzen. Ein entsprechender Finanzierungsantrag ist gestellt, erste Zusagen liegen vor.

3.2 Universität Karslruhe

Ab 2009 wird eine Kooperation mit der Universität Karlsruhe, Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik, vertreten durch die Professoren Dr. Johann Beichel und Dr. Jürgen Rekus, sowie mit der Musikhochschule Mannheim, vertreten durch Prof. Dr. Werner Jank, beginnen. Das Thema der gemeinsamen Forschung wird die „Ästhetische Bildung in der Freien Interkulturellen Waldorfschule Mannheim-Neckarstadt“sein. Vorarbeiten zum Thema haben vom November 2006 bis Dezember 2007 stattgefunden; in diesem Zeitraum haben zwei Studentinnen vom Institut für Berufs- und Allgemeine Pädagogik der Universität Karlsruhe an der Freien Interkulturellen Waldorfschule beobachtet, geforscht und dokumentiert. Geplant sind 3 Promotionen zu folgenden Arbeitsthemen:

Darüber hinaus sollen wissenschaftliche Abschlussarbeiten zum Gesangs- und Instrumentalunterricht entstehen.

4. Projekte und Arbeitsschwerpunkte

4.1 Evaluation der Interkulturellen Waldorfschule (2004-2006) Kontinuierung im Sinne begleitender Schulforschung (seit 2006)

In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Brater und Dipl. Soz. Christiane Hemmer-Schan­ze (Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung München, GAB) wurde die bestehende Konzeption und Praxis in Bezug auf die besonderen Aufgabenstellungen in den Bereichen kulturelle und soziale Integration, Sprachunterricht, Projektunterricht und interkulturelle Elternarbeit in einem ersten Forschungsprojekt dokumentiert und reflektiert. Erhebungsgrundlage bildeten hierbei teilnehmende Beobachtung, Leitfadeninterviews, Sprachentests und eine Sprachprofilanalyse. Die Ergebnisse [1] sind von erheblicher Relevanz für Fragen der interkulturellen Bildung, insofern unter anderem gezeigt werden konnte, dass die bei Schuleintritt bei den Migrantenkindern vorhandenen erheblichen Sprachdefizite im Laufe von zwei Jahren behoben werden konnten und dass hierzu über die allgemeine ganzheitliche Sprachförderung nach den Methoden der Waldorfschule hinaus keine gesonderte Einzelförderung notwendig war.

Es ist geplant, die forschende Evaluierung der Schule kontinuierlich fortzusetzen –nicht zuletzt weil die Kernfrage, inwieweit dieses innovative Schulkonzept in der Lage ist, den durch Migrationshintergrund oder soziale Herkunft benachteiligten Schülerinnen und Schülern einen ihren Fähigkeiten entsprechenden schulischen Abschluss zu ermöglichen, erst in einigen Jahren beantwortet werden kann. Darüber hinaus ermöglicht eine Fortsetzung der seit 2004 durchgeführten Erhebungen

Ab 2009 wird in Kooperation mit der Universität Karlsruhe und der Musikhochschule Mannheim ein Forschungsprojekt mit dem Thema „Ästhetische Bildung in der Freien Interkulturellen Waldorfschule Mannheim-Neckarstadt“beginnen; in diesem Zusammenhang sind 3 Promotionen geplant sowie wissenschaftliche Abschlussarbeiten zum Gesangs- und Instrumentalunterricht.

4.2 Interkulturelle Geschichtsdidaktik (Seit 2000)

Ein zentrales Desiderat interkultureller Pädagogik besteht in der Erarbeitung zeitgemäßer didaktischer Konzepte und Perspektiven interkulturellen Lernens. Auf diesem Feld ist zu untersuchen, inwieweit von der Waldorfpädagogik Impulse ausgehen können. Auf dem Feld der Geschichtsdidaktik ergeben sich dabei anregende Perspektiven, insofern der Waldorf-Lehrplan im Fach Geschichte weder heimatkundlich noch nationalgeschichtlich, sondern kulturübergreifend ansetzt. Im Projekt zur interkulturellen Geschichtsdidaktik sollen –aufgrund verschiedener Vorarbeiten [2] –eine enge Kooperation mit Oberstufenlehrerinnen und -lehrern anderer Waldorfschulen, Konzepte des Unterrichtsaufbaus mit den zugehörigen Darstellungsteilen und Materialien im Unterricht erprobt und ausgewertet werden.

4.3 Interreligiöser Dialog (2005-2008)

Auf Grundlage bestehender Vorarbeiten ist eine synthetische Darstellung der Weltreligionen unter pädagogischer Perspektive geplant, die mystische Wege der religiösen Strömungen einbezieht und hierbei auch Beiträge aus dem Werk Rudolf Steiners fruchtbar macht. Auf diese Weise wird ein Beitrag zum interreligiösen Dialog geleistet. Gleichzeitig werden Hilfen gegeben für den Religionsunterricht der Oberstufe.

Durch die Unterrichtstätigkeit im Fach Religion an der Freien Waldorfschule Mannheim sowie an der Freien Hochschule, durch die Arbeit mit muslimischen Studierenden an der Freien Hochschule sowie durch die Begründung der Interkulturellen Waldorfschule ist Dr. Albert Schmelzer seit Jahren mit der Thematik befasst [3]. Im Laufe der Forschung sollen Kooperationen aufgebaut werden mit Einrichtungen des interkulturellen und interreligiösen Dialogs wie der Stiftung Weltethos. Gleichzeitig wird versucht, in enger Zusammenarbeit mit der interkulturellen Waldorfschule ein neues Konzept des Religionsunterrichts zu erproben, das im Teamteaching durch Angehörige verschiedener Religionen erfolgt.

4.4 Globalisierung und globales Lernen

Ein Forschungsbeitrag zur Globalisierung besteht in der Dissertation „Der Globalisierungsdiskurs in der Waldorfpädagogik“, die von Dipl. Geol. Gunter Keller verfasst wird und kurz vor dem Abschluss steht. Betreut wird sie von HD Dr. C. Dittrich am Institut für Kulturgeographie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie verbindet eine fachwissenschaftliche mit einer fachdidaktischen Perspektive, indem sie –nach einer grundlegenden Darstellung des Globalisierungsdiskurses –Rudolf Steiners gesellschaftstheoretisches Konzept der Dreigliederungslehre unter Bezugnahme auf die Theorie funktionaler Gliederung von Gesellschaft (Luhmann) sowohl hinsichtlich seiner strukturierenden Möglichkeiten in Bezug auf den Globalisierungsdiskurs als auch sich daraus ergebender fachdidaktischer Möglichkeiten in den Sachbereichen solidarische Ökonomie, Universalität der Menschenrechte sowie Zivilgesellschaft und NGOs untersucht. Nachfolgende weitere Veröffentlichungen zur Thematik sind geplant.

5. Projektplanung- und Produktplanung bis 2012

5.1 Kontinuierung der Evaluation der Interkulturellen Waldorfschule

Im Zuge der Fortsetzung der wissenschaftlichen Begleitung der Interkulturellen Waldorfschule werden aktuell Drittmittel eingeworben, um den Aufbau der Oberstufe und die ersten Abschlüsse zu evaluieren. Weiterhin werden Drittmittel eingeworben, um das Projekt „Ästhetische Bildung in der Freien Interkulturellen Waldorfschule Mannheim-Neckarstadt“, das in Kooperation mit der Universität Karlsruhe, Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik und der Musikhochschule Mannheim stattfinden soll, auf den Weg zu bringen. Im Rahmen des Projekts sollen 3 Promotionen sowie wissenschaftliche Abschlussarbeiten zum Gesangs- und Instrumentalunterricht entstehen.

5.2 Interkulturelle Geschichtsdidaktik (Publikationsprojekt, Erscheinen vorgesehen für 2010).

In Kooperation mit Lehrerinnen und Lehrern verschiedener Schulen soll eine Publikation entstehen, welche den Anfangsunterricht in Geschichte unter dem Aspekt globalen Lernens als Abfolge der wesentlichen Schritte der Entwicklung der Menschheit: Leben in Stammesverbänden, Sesshaftwerdung, Städte- und Reichsgründung im Kontext verschiedener Kulturen darstellt.

5.3 Interreligiöser Dialog (Publikationsprojekt, Erscheinen vorgesehen für 2010)

Im Jahr 2009 sollen Drittmittel eingeworben werden, um Vorarbeiten für eine Publikation zu ermöglichen, welche eine Grundlage sein kann für die Behandlung der Weltreligionen im Religionsunterricht der Oberstufe. Dabei sollen Anregungen aus dem Werk Rudolf Steiners einbezogen werden, besonders im Blick auf die rege religiöse Erfahrung.

6. Veröffentlichungen zu Arbeitsbereichen des Instituts (Auswahl)

Albert Schmelzer: Wer Revolutionen machen will ... Zum Geschichtsunterricht der 9. Klasse an Waldorfschulen, Stuttgart 2000.

Albert Schmelzer: Aktuelles Mittelalter, Zum Geschichtsunterricht der 11. Klasse an Waldorfschulen, Stuttgart 2003.

Michael Brater, C. Hemmer-Schanze, Albert Schmelzer: Schule ist bunt. Interkulturelle Waldorfschule im sozialen Brennpunkt, zusammen mit M. Brater und C. Hemmer-Schanze, Stuttgart 2007.

Albert Schmelzer: Interkulturelle Waldorfschule. Evaluation zur schulischen Integration von Migrantenkindern, zusammen mit M. Brater und C. Hemmer-Schanze, Wiesbaden 2009.

Albert Schmelzer: Exakte Fantasie als Organ der Geschichtserkenntnis –von Goethes Geschichtsauffassung zu Steiners geschichtlicher Symptomatologie, in: Hartwig Schiller (Hrsg.), Wirklichkeit und Idee. Goethes Weltzugang und der geistige Hintergrund des Nordens, Stuttgart 2008.

Albert Schmelzer: Vom Menschlichen zum Menschheitlichen im Geschichtsunterricht, in: Erziehungskunst 2/1993.

Albert Schmelzer: Verstehen, Schützen, Helfen, Die Templer, in: Die Drei 7/8, 1998.

Albert Schmelzer: Schritte zu einem vertieften Geschichtsverständnis, in: Erziehungskunst 1/2001.

Albert Schmelzer: Südamerika –Perspektiven aus seiner Geschichte, in: Erziehungskunst 7/8 2001.

Albert Schmelzer: Prinz und König im Land des Möglichen, Entwicklungspsychologie und Kulturentwicklung, Basisbeitrag, in: Praxis Geschichte 3/2003.

Albert Schmelzer: Goethe und der Islam. Vom Umgang mit dem Fremden, in: Erziehungskunst 7/8 2005.

Albert Schmelzer: Konfuzius, in: Die Drei, 6/2005.

Albert Schmelzer: Leistungsstandards oder Lernkultur? Eine Antwort auf PISA: Die Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim-Neckarstadt, in: Erziehungskunst 10/2006.

Albert Schmelzer: Islam ja länsi, in: Takoja Antroposofinen kulttuurilehti 3/2006.

Albert Schmelzer: Kein Friede in der Welt ohne Friede zwischen den Religionen, in: Erziehungskunst 11/12 2006.

Albert Schmelzer: Rhythmen lassen leichter lernen, in: Erziehungskunst 9/2007.

Albert Schmelzer: Perspektiven für einen interreligiösen Dialog –Jesus Christus im Islam, in: Erziehungskunst 12/2008.


[1] M. Brater, C. Hemmer-Schanze, A. Schmelzer: Schule ist bunt. Eine interkulturelle Waldorfschule im sozialen Brennpunkt. Stuttgart 2007; M. Brater, C. Hemmer-Schanze, A. Schmelzer: Interkulturelle Waldorfschule. Evaluation zur schulischen Integration von Migrantenkindern. Wiesbaden 2009.

[2] U.A. Albert Schmelzer: Wer Revolutionen machen will ... zum Geschichtsunterricht der 9. Klasse an Waldorfschulen. Stuttgart 2000; Albert Schmelzer: Aktuelles Mittelalter. Zum Geschichtsunterricht der 11. Klasse an Waldorfschulen, Stuttgart 2003; Albert Schmelzer: Mensch und Menschheit im Geschichtsunterricht. Erziehungskunst 2/1993, S. 145-163; Südamerika –Perspektiven aus seiner Geschichte. Erziehungskunst 7-8/2001, S. 875-884; Albert Schmelzer: Prinz und König im Land des Möglichen. Entwicklungspsychologie und Kulturepochen. In: Praxis Geschichte, 3/2003, S. 6-11.

[3] Publikationen hierzu sind Albert Schmelzer: Goethe und der Islam. Erziehungskunst 7-8/2005, S. 820-826; Kein Friede in der Welt ohne Friede zwischen den Religionen, Erziehungskunst 11-12/2006, S. 1139-1149; Konfuzius. Die Drei 6/2005, S. 72-78.